Starthilfe für Einsteiger (FAQ)

Fast jeder Halter von Pfeilgiftfröschen stand am Anfang vor dem Problem, sich auf komplett ungewohntes Terrain zu begeben. Es treten unzählige Fragen auf und jede Antwort hinterlässt wieder neue Unklarheiten. Hier möchte ich die ersten Schritte zusammenfassen, wie ich sie nach meiner Erfahrung heute gehen würde. Ich möchte betonen, dass es den einzig richtigen Weg in der Froschhaltung nicht gibt. Jeder Halter macht im Laufe der Zeit seine eigenen Erfahrungen und findet den für ihn richtigen Weg. Dieser Ratgeber spiegelt also lediglich meine persönliche Meinung wieder. Ich möchte nicht ausschließen, dass auch andere Wege nach Rom führen, ich allerdings habe im Laufe der Zeit diesen als meinen Weg gefunden.

Was ist vor der Anschaffung grundsätzlich zu beachten?

Bevor man sich für die Anschaffung von Dendrobaten entscheidet, sollte man einige grundsätzliche Dinge hinterfragen.

  • Bin ich bereit, die Tiere über etliche Jahre zu pflegen (Dendrobaten werden teilweise bis zu 15 Jahre alt)
  • Stellt die Verfütterung von Lebendfutter (Fliegen, Asseln, Blattläuse) für mich ein Problem dar?
  • Kann ich mich mit der Zucht der Futtertiere anfreunden, wenn ich nicht von einem regelmäßigen Zukauf abhängig sein möchte?
  • Falls nein, bin ich bereit einen unter Umständen hohen Betrag monatlich für den Erwerb der Futtertiere auszugeben?
  • Wer versorgt die Tiere, wenn ich über einen längeren Zeitraum (Urlaub) nicht in der Lage bin?
Wie kann ich mich über die Haltung von Dendrobaten informieren?

Wenn diese Fragen geklärt sind, sollte man sich das Basiswissen aneignen. Hierzu eignen sich diverse Bücher (siehe unter „Literatur“ im Menü Tipps), Internetseiten und Internetforen (siehe „Links“ im Menü Tipps). Bereits jetzt sollte man sich grob festlegen, welche Art man später einmal pflegen möchte. Nur so kann man sich gezielt über die Einrichtung des Terrariums informieren, da jede Art andere Bedürfnisse hat.

Hat man sich die Grundlagen angeeignet, empfiehlt sich der Besuch bei einem erfahrenen Halter bzw. Züchter. Hier kann man sich die Terrarieneinrichtung- und Technik, die Futtertierzucht sowie die Haltung der Dendrobaten vor Ort ansehen. Man sagt, ein Bild sage mehr, als 1000 Worte – ein Besuch bei einem erfahrenen Halter sagt mehr als 1000 Bücher.

Was muss ich bei der Planung des Terrariums beachten?

Als nächster Schritt folgt die Planung des Terrariums. Zu diesem Zeitpunkt sollte man sich über die gewünschte Art im Klaren sein, damit man das Terrarium wirklich auf die Bedürfnisse der späteren Bewohner abstimmen kann. Je nach Art gelten unterschiedliche Mindestanforderungen an die Größe des Terrariums, die benötigte Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und die Bepflanzung.

Wo kann ich das Terrarium aufstellen?

Als Standort sollte eine halbwegs ruhig gelegene Stelle in der Wohnung genutzt werden, die weder direkter Sonneneinstrahlung, noch ständiger Zugluft ausgesetzt ist. Zudem sollten sich die Temperaturen 24 Stunden pro Tag in einem Bereich von 20 ° C – 26 ° C bewegen. Ein zu kalter Raum lässt sich vor allem nachts nur schwer korrigieren, da dann die Beleuchtung als Heizung nicht genutzt werden kann.

Wo bekomme ich ein geeignetes Terrarium her?

Hat man eine geeignete Stelle für das Terrarium gefunden, kann man sich um die Beschaffung kümmern. Inzwischen finden sich sehr gute und günstige Shops im Netz (siehe Tipps -> Links), welche das gewünschte Terrarium nach vom Kunden vorgegebenen Maßen anfertigen. Es ist sicherlich möglich, ein Standard Terrarium auf die Bedürfnisse von Dendrobaten umzurüsten. Dies kostet jedoch viel Zeit, Mühe und auch Geld, sodass sich unter dem Strich ein Umbau nicht lohnt.

Was unterscheidet ein Dendrobaten Terrarium von einem
Standard Terrarium?

Ein froschgerechtes Terrarium (Dendrobaten Terrarium) weist im Vergleich zu einem Standard Terrarium folgende Unterschiede auf:

  • Breitere Lüftung in der Deckenscheibe (verbessert die Luftzirkulation und das Abtrocknen des Terrariums)
  • Breitere Lüftung unter den Schiebetüren (verbessert die Luftzirkulation und das Abtrocknen des Terrariums)
  • Lüftung aus Edelstahl Gaze statt aus Lochblech (hält auch kleine Futtertiere im Terrarium)
  • Doppelten Boden mit Graben (lässt Wasser schnell ablaufen)
  • Bohrungen für Beregnung und Abfluss
  • Silikondichtlippe zwischen den Schiebescheiben (hält auch kleine Futtertiere im Terrarium)
  • E-Profile an den Seiten der Schiebescheiben (hält auch kleine Futtertiere im Terrarium)
Wie sieht eine artgerechte Einrichtung aus, bzw. was muss sie
den Tieren bieten?

Hat man sein Wunschterrarium endlich erhalten, kann man sich an die Einrichtung machen. Bevor ich auf diesen Punkt eingehe, möchte ich noch einige Grundvoraussetzungen ansprechen, die ein Terrarium für Dendrobaten erfüllen sollte.

Pfeilgiftfrösche benötigen eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Terrarien ständig triefnass sein sollen. Im Idealfall ist die Einrichtung nach der Beregnung nass, trocknet aber innerhalb kurzer Zeit an vielen Stellen (Pflanzen, Boden, Wurzeln, Steinen) fast komplett ab. Kein Frosch mag einen dauernassen Hintern! Eine zu feuchte Haltung fördert die Keimbelastung im Terrarium, sowie Krankheiten. Ziel sollte es also sein, das der Boden kaum Wasser bindet, die Wände jedoch über einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit an die Luft abgeben können. Vereinfacht gesagt, trockener Boden, feuchte Wände.

Drei Seiten des Terrariums sollten komplett blickdicht verkleidet sein, damit sich die Tiere in einen ruhigeren Bereich zurückziehen können. Eine üppige Bepflanzung sorgt ebenfalls für Versteckmöglichkeiten und trägt zur hohen Luftfeuchtigkeit bei.

Wie sollte der Boden aufgebaut sein?

Die einfachste Art den Boden trocken zu halten, ist meiner Erfahrung nach die Verwendung eines doppelten Bodens. Dieser hat in der Regel ein Gefälle, welches überschüssiges Wasser sofort in einen Graben laufen lässt, von wo es über einen Abfluss aus dem Terrarium gelangt.

Bei Standard Terrarien besteht die Möglichkeit, ein rasches Abtrocknen des Bodens durch die Verwendung von einer Drainage Schicht aus Blähton zu erreichen. Ebenso kann aus Styropor ein schräger Boden eingearbeitet werden, welcher später versiegelt wird. Auf den doppelten Boden bzw. den Blähton lege ich nur eine dicke Schicht Eichenlaub (hält sich unter diesen Bedingungen sehr lange und hat eine desinfizierende Wirkung). Diese Dient den Fröschen später auch als Versteckmöglichkeit, auch werden sich Futtertiere wie z. B. Springschwänze in dieser Schicht aufhalten.

Auf den Einsatz von Humus oder sonstigen Substrat würde ich komplett verzichten, da die Gefahr des Versumpfens zu groß ist und Erde o. ä. in den meisten Terrarien nicht benötigt wird.

Welche Möglichkeiten habe ich bei der Verkleidung der Wände?

Für die Gestaltung der Wände kann ich zwei Varianten empfehlen:

Verkleidung mit Xaxim Platten

Vorteile:

  • Naturprodukt
  • Natürliche Optik
  • Speichert Feuchtigkeit sehr gut
  • Bewächst sehr gut, teilweise sind Sporen bereits enthalten
  • Hält den Bedingungen gut stand

Nachteile:

  • Ökologisch nicht ganz unbedenklich
  • Hoher Preis
  • Begrenzte Strukturierungsmöglichkeiten

Strukturierung mit Styropor/Bauschaum, beschichtet mit 2K-PU Kleber, beflockt mit Humus/Torf Mischung

Vorteil:

  • Sehr gute Strukturierungsmöglichkeiten
  • Günstiger Preis
  • Natürliche Optik
  • Speichert Feuchtigkeit sehr gut
  • Lange Haltbarkeit

Nachteile:

  • Chemisches Produkt, soll jedoch nach Aushärtung unbedenklich sein

Ich richte meine Terrarien inzwischen mit einer Kombination der beiden Varianten ein. Eine Anleitung ist unter Tipps -> Einrichtung Terrarien zu finden.

Für die Verkleidung der Wände würde ich auf folgende Produkte verzichten:

  • Matten aus Kokosfaser (halten den Bedingungen nicht lange stand)
  • Presskork- oder Korkplatten (speichert keine Feuchtigkeit)
  • Epiweb (unnatürliche Optik, Struktur für Frösche meiner Meinung nach ungeeignet)
Wo finde ich eine Anleitung zur Einrichtung eines Terrariums?

Hier…

Was kann ich alles zur Einrichtung nutzen?

Neben den Pflanzen können große Wurzeln, Steine, Lianen und Äste als Einrichtung und Klettermöglichkeit genutzt werden. Viele Dendrobaten legen ihre Eier in Filmdosen oder unter einer halben Kokosnuss ab. Eine kleine Wasserschale wird z. B. von Dendrobates Tinctorius gerne zum Baden angenommen.

Wie bringe ich Pflanzen ohne Erde im Terrarium an?

Bei Bromelien und Orchideen handelt es sich um Aufsitzerpflanzen. Im natürlichen Lebensraum wachsen sie z. B. in Baumkronen, da sie dort noch ausreichend Sonnenlicht vorfinden. Sie wurzeln auf den Ästen der Bäume, sind aber keine Schmarotzer.

Werden diese Pflanzen im Terrarium bei ausreichender Luftfeuchtigkeit mittels Edelstahlkrampen an der Rückwand oder auf einem Ast befestigt, wurzeln sie innerhalb weniger Monate fest. Die Wurzeln der meisten Aufsitzerpflanzen sollten nicht dauerhaft nass sein. Daher ist eine Haltung im Topf in der Regel nicht geeignet.

Rankpflanzen können häufig ebenfalls mit Edelstahlkrampen an den Wänden befestigt werden, auch sie wurzeln fest und breiten sich aus. Eine vermehrte Beregnung zu Beginn begünstigt die Wurzelbildung.

Benötigen Dendrobaten eine Beregnungsanlage?

Kurz und knapp, nein. Eine Beregungsanlage ist ein Luxus, den ich nicht missen möchte, zwingend erforderlich ist sie jedoch nicht. Vor allem bei wenigen Terrarien und zu Beginn der Froschhaltung ist eine Beregnung per Hand Sprüher möglich.

Benötigen Dendrobaten eine Nebler?

Nein, er wird von vielen Haltern eher kritisch gesehen. Aufgrund der schlechten Reinigungsmöglichkeiten können sich schnell Keime bilden, die mit dem Nebel von den Tieren eingeatmet werden können. Ein Nebler erzeugt keinen richtigen Neben, er zerstäubt nur das Wasser. Er trägt daher nur kurzzeitig zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei.

Benötigen Dendrobaten einen Wasserteil oder –fall?

Bis auf wenige Ausnahmen benötigen Dendrobaten keinen Wasserteil. Tiefe Wasseransammlungen ohne geeigneten Ausstieg sind eher gefährlich, da die Tiere nur schlecht entkommen können und ertrinken. Die bereits angesprochene Wasserschale (Untersetzer für Blumentöpfe) reicht meist völlig aus.

Ein Wasserfall dient in erster Linie der Optik, die Tiere ziehen keinen Nutzen daraus. Er birgt jedoch die Gefahr, dass zuviel Wasser auf den Landteil gezogen wird, was wieder zum Versumpfen führen kann. Daher lehnen viele Halter einen Wasserfall ab, oder haben ihren eigenen inzwischen trocken gelegt.

Wie beleuchte ich das Terrarium?

Diese Frage lässt sich nicht generell beantworten, da die Beleuchtung auf das jeweilige Terrarium und seine Bewohner abgestimmt sein muss. Sie sollte jedoch immer außerhalb des Terrariums angebracht werden!

Grundsätzlich nutze ich bei meinen Terrarien

  • T5 Leuchtstoffröhren mit UV-A  Anteil (Biovital), welche auf der Deckenscheibe aufliegen.
  • Spots mit hohem UV-B Anteil (Solar Raptor), welcher auf der oberen Gaze steht. UV-B wird von Glas herausgefiltert, daher sollte dieses Leuchtmittel über der Gaze verbaut werden. Durch diesen Spot wird die Temperatur im Inneren tagsüber      gesteigert, er dient indirekt also auch als Heizung.
Benötige ich einen Terrarienlüfter?

Im Fachhandel werden kleine Terrarienlüfter angeboten. Prinzipiell sind diese Geräte empfehlenswert, da sie den Luftaustausch unterstützen, was Schimmel und eine erhöhte Keimbelastung verhindern kann. Ich würde jedoch nicht auf diese kostspielige Variante zurückgreifen.

Im Elektrohandel werden PC Lüfter bereits für unter einem Euro angeboten. Kombiniert mit dem richtigen Netzteil, erhält man ein vergleichbares Gerät zu einem Bruchteil des Preises.

Wichtig: Luft sollte von oben ins Terrarium bedrückt werden. Der Lüfter liegt unmittelbar auf der Gaze auf. Wird Luft aus dem Terrarium gesaugt, zieht das Gerät die Luft teilweise zwischen Gaze und Gehäuse an, sodass nur ein geringer Luftaustausch erreicht wird. Die Lüfter laufen bei meiner Anlage jede Stunde für 5 Minuten auf halber Kraft.



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