Haltungsbericht Pumilio

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Nachdem ich bereits erste Dendrobaten Erfahrungen mit Dendrobates Auratus und Dendrobates Tinctorius sammeln konnte, kam langsam der Wunsch auf, sich an die Haltung von Oophaga Pumilio zu machen. Oft hört man, dass dieser Frosch nur sehr erfahrenen Haltern empfohlen wird, da er teilweise etwas empfindlich und die Nachzucht mitunter etwas schwierig ist. Daher machte ich mich mit großem Respekt an die Planung und Einrichtung des Terrariums.

 Ich entschied mich für einen 50er Würfel, leider ohne schrägen Boden und ohne Bohrung für den Abfluss. Dieser wurde im Laufe der Zeit nachgerüstet, als Drainage dient von Beginn an eine Schicht Blähton. Darauf liegt eine dicke Laubschicht, in der sich die Tiere gerne aufhalten und nach Futter suchen. Die Rück- und Seitenwände wurden komplett mit 2 cm dicken Xaxim Platten verkleidet, aus kleineren Stücken Xaxim wurden Kletter- und Sitzgelegenheiten in den oberen Bereichen angebracht. Quer durch das Terrarium laufende Lianen bieten zusätzliche Klettermöglichkeiten und vergrößern die nutzbare Fläche. Die Wände wurden an einigen Stellen mit verquirltem Moos bestrichen, welches nach einigen Monaten für grüne und immer leicht feuchte Stellen sorgt. Die obligatorischen Bromelien, einige Ranken und Filmdosen komplettieren die Einrichtung. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden an 4 Stellen gemessen.

Terrarium Oophaga Pumilio "Cauchero"

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Terrarien immer mit einem Handsprüher beregnet. Mit den neuen Fröschen sollte auch eine Beregnungsanlage Einzug halten, welche die Basisberegnung übernehmen sollte. Zusätzlich wird weiterhin mittels Handsprüher beregnet, um eine gezieltere Bewässerung zu erreichen.

Bei der Beleuchtung musste ich etwas experimentieren, bis ich endlich ein zufrieden-stellendes Ergebnis er-zielen konnte. Nachdem mehrere Leuchtstoff-röhren und Strahler ausprobiert wurden, entschied ich mich schlussendlich für eine 39 Watt Biovital Leuchtstoff-röhre, welche im vorderen Bereich auf dem Glas aufliegt. Diese Röhre ist täglich 13 Stunden in Betrieb. Sie wird ab der Mittagszeit von einem Solar Raptor UV Spot unterstützt. Dieser sorgt neben der UV Bestrahlung auch für die erhöhte Temperatur, abgesehen von den Morgen- und Abendstunden. So herrschen im Terrarium morgens 20 ° C – 22 ° C (gemessen am Boden und unter der Decke), im Laufe des Tages steigen die Temperaturen auf 25 ° C – 29 ° C, in den Abendstunden fallen sie wieder auf 22 ° C – 25 ° C ab.

Die Beregnung erfolgt mit feinen Düsen in mehreren Intervallen, die Länge und Häufigkeit variiert je nach Regen- oder Trockenzeit. Während der Regenzeit wird 6 mal täglich für 10 Sekunden beregnet, wobei die Pausen zwischen Mittag und Nachmittag länger sind. Somit kann die Luftfeuchtigkeit über den Tag etwas abfallen, um dann abends wieder anzusteigen. Morgens liegt die Luftfeuchtigkeit bei ca. 90 %, sie fällt über den Tag bis auf 70 % ab. Am Abend steigt sie wieder, bis auf ca. 90 %. Diese Werte werden an den feuchteren Stellen erzielt, es sind auch trockenere Zonen vorhanden, an denen die Luftfeuchtigkeit weniger schwankt und relativ konstant bei knapp 70 % liegt.

Inzwischen wurde zur besseren Belüftung noch ein 120 mm großen PC Lüfter installiert, welcher tagsüber jede Stunde auf halber Kraft für 5 Minuten Luft in das Terrarium bläst.

Nachdem das Terrarium soweit fertig war, konnte ich mich um meine ersten Oophaga Pumilio bemühen. Zu diesem Zeitpunkt wurden nur selten Nachzuchten angeboten, daher war ich auf keinen bestimmten Farbmorph festgelegt, am liebsten sollten es Caucheros sein. Wie es der Zufall wollte, entdeckte ich genau zu dieser Zeit ein Inserat, wo 4 Nachzuchten dieses Morphs angeboten wurden. Also schnellt einen Termin vereinbart und die Tiere in ca. 300 km Entfernung abgeholt.

Wieder im trauten Heim angekommen, setzte ich meine neuen Pfleglinge erst mal in ein kleines Quarantäne Becken. Ob es an den kalten Temperaturen während des Transports lag (es war mitten im Winter), ob die Haltungsparameter im Quarantäne Terrarium nicht stimmten, oder ob der Umzug zuviel für die kleinen war, ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls ging mir nach einigen Tagen eine der Nachzuchten ein. Die anderen setzte ich nach einem Monat dann in das endgültige Terrarium um. Auch hier hatte ich dann einen weiteren Ausfall. Es lebten sich also nur 2 der 4 erworbenen Tiere in ihrem neuen Heim ein. Auch wenn dies meine anfänglichen Bedenken bzgl. der „anfälligen Pumis“ bestätigte, so freute ich mich gleichzeitig, da einer der beiden anfing zu rufen. Ich hatte also mindestens ein Männchen, ein erster Lichtblick!

Nachdem die Tiere in den folgenden Monaten kräftig gewachsen waren und ihre anfängliche Scheu abgelegt hatten, wuchs die Hoffnung auf den ersten eigenen Pumilio Nachwuchs. Die Tiere saßen inzwischen ständig zusammen, das Männchen rief und ich suchte fleißig alle Filmdosen und Bromelien ab. Es gingen aber weitere Monate ins Land, ohne dass sich Gelege einstellen wollten. Da die Tiere bereits fast 2 Jahre alt sein mussten, wurde ich langsam etwas nervös. Ich war mir eigentlich sicher, dass es sich um ein Paar handelt, da nur ein Tier rief und ich nie Streitigkeiten beobachten konnte. Sie waren ein Herz und eine Seele, daher starb die Hoffnung zuletzt.

Nachdem weiterhin keine Gelege zu finden waren entschied ich mich, nach einem weiteren Weibchen zu suchen. Auch hier spielte mir der Zufall in die Hände, als ich bei einem anderen Halter zu Besuch war, hatte dieser ein zu 80 % sicheres Weibchen abzugeben. Auch wenn mich die restlichen 20 % etwas nervös machten, sollte die Dame bei meinen beiden Tieren einziehen. Nachdem ich sie einige Wochen in Quarantäne hielt, kam endlich der Moment des Einzugs. Ich hatte mit vielem gerechnet, allerdings nicht damit, dass sich mein altes vermeintliches Weibchen zu seinem Outing entschloss und zu rufen begann. Somit war klar, warum ich bislang keine Gelege finden konnte…

Diverse Versuche ein Männchen einzufangen scheiterten, da sie im dicht bewachsenen Terrarium unzählige Versteckmöglichkeiten hatten. Sie bildeten eigene Reviere, Streitigkeiten waren nur zu beobachten, wenn sich ein Männchen in das Revier des anderen wagte. Da es aber zu keiner Unterdrückung kam, beließ ich alle Tiere in dem Terrarium, sodass ich 2 Männchen und ein Weibchen hielt. Auch wenn die Zusammenstellung in diesem Fall anfangs funktionierte, strebe ich grundsätzlich eine paarweise Haltung an. Bei anderen Farbmorphen traten bereits kurz nach dem Einzug Probleme auf, wenn sich in der Gruppe mehr als ein Männchen befand. Teilweise kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen zwei Weibchen, worauf diese getrennt werden mussten. Daher stellt dieser Fall bei mir eine absolute Ausnahme dar. Eine intensive Beobachtung der Tiere ist aber zwingend erforderlich. Inzwischen habe ich ein Männchen einfangen können, nachdem ist im Laufe der Zeit doch zu Problemen gekommen war.

Cauchero Gelege in Filmdose

Bereits wenige Tage nach dem Einzug des Weibchens konnte ich das erste Gelege, bestehend aus 5 Eiern, finden. Zu meiner Überraschung entwickelte es sich sehr gut, das Männchen kehrte täglich in die Filmdose zurück, um es zu bewässern. Nach einiger Zeit konnte ich dann das Weibchen mit einer Quappe auf den Rücken beobachten. Diese setzte es in eine der vorderen Bromelien ab, wodurch ich die Entwicklung gut verfolgen konnte. Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich noch auf einen gesunden Landgänger. Ich konnte nicht ahnen, dass aus dem ersten Gelege tatsächlich 4 Landgänger hervorgehen würden.

Cauchero Quappe am ersten Tag

Die Entwicklung dauerte vom Absetzen in der Bromelie bis zum Landgang lediglich 40 Tage. Die kurze Entwicklungszeit lag sicherlich auch an der vom Weibchen gewählten Bromelie, die sich im oberen Drittel des Terrariums befindet. Die Temperatur steigt in diesem Bereich bis auf 28 ° C an.

Da man viele Geschichten und Meinungen zu Pumilio Landgängern findet, war ich unschlüssig, wie ich weiter vorgehen sollte. Die kleinen bei den Eltern belassen, oder sie doch besser in ein Aufzucht Terrarium setzen? Die Frage beantwortete das Weibchen für mich, indem es bereits am 2. Tag nach dem Landgang zwei der Nachzuchten durch das Becken jagte. Daher entschied ich mich, die Jungtiere schnellstmöglich umzusetzen. Die beiden ersten konnte ich schnell einfangen und in kleine Aufzuchtbecken umsiedeln. Die beiden anderen Jungtiere versteckten sich in ihren Bromelien und wurden dort vom Weibchen geduldet oder übersehen. Daher ließ ich sie erst mal bei den Eltern. Auch bei den nächsten Landgängern griff das Weibchen die Jungfrösche bereits kurz nach dem Landgang an, weshalb ich die Landgänger schnellstmöglich in Aufzucht Terrarien umsiedelte. Erst nach mehreren Nachzuchten konnte ich die Jungtiere ohne Risiko im Elternterrarium lassen.

Cauchero Landgänger am 2. Tag

Bereits am Tag nach dem Landgang setzten die Elterntiere das nächste Gelege ab, es folgten 2 weitere im Abstand von drei Tagen. Als der erneute Quappentransport kurz bevor stand, fing ich auch die beiden letzten Nachzuchten ein, um sie ebenfalls in ein Aufzucht Terrarium zu setzen.

Aus dem neuen Gelege gingen bereits 60 Tage nach Ablage weitere Landgänger hervor.

Zur Aufzucht eignen sich kleine Terrarien, oder kleine Plastik Boxen. Letztere sollten mit einer Lüftung im unteren Bereich, sowie im Deckel versehen sein. Auf dem Boden dient eine dicke Laubschicht als Versteckmöglichkeit, es sollte immer etwas Wasser am Boden sein. Gefüttert werden die kleinen Frösche mit Springschwänzen und Weizenblattläusen, später dann auch mit kleinen Fruchtfliegen und Erbsenblattläusen. Eine Aufzucht im Elternterrarium ist möglich, jedoch ist bei dieser Methode eine regelmäßige Kontrolle erforderlich.

Terrarium Oophaga Pumilio Aufzucht

Meine Caucheros bevorzugen Filmdosen zur Eiablage. Ich konnte bislang noch kein Gelege außerhalb einer Dose entdecken. Dies gilt jedoch nicht für alle Pumilio. Inzwischen halte ich mehrere Farbmorphen, Esperanza und Solarte z. B. nehmen bei mir keine Filmdosen für die Eiablage an. Bei diesen Farbmorphen konnte ich Gelege bislang nur auf Blättern von Bromelien oder Rankpflanzen entdecken.

Esperanza Paar am Gelege

Auch wenn mein Einstieg in die Pumilio Haltung nicht ganz reibungslos verlief, haben sich meine schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet. Die Art lässt sich entgegen der vielen negativen Berichten gut pflegen und nachziehen. Bei später erworbenen Tieren kam es zwar noch zu Ausfällen, dies führe ich aber auf das teilweise geringe Alter der erworbenen Nachzuchten zurück. Habe ich Nachzuchten von Dendrobates Tinctorius problemlos schon mit einem Alter von 3 Monaten abgegeben, so warte ich bei Oophaga Pumilio Nachzuchten mindestens 6 Monate.



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